Ein Wochenendausflug: drei Landsitze bei Vilnius

Sie müssen gar nicht weit weg reisen, um am Wochenende der Hektik der Hauptstadt zu entfliehen und sich etwas abzulenken. Nur ein paar Dutzend Kilometer von Vilnius entfernt finden Sie sowohl attraktive Eckchen in der Natur als auch verschiedene kulturelle und historische Denkmäler.

Wenn es Ihnen an Ideen mangeln sollte – hier haben wir für Sie drei Landsitze in der näheren Umgebung von Vilnius, die alle einen Besuch wert sind.

Die originelle Mühle von Gut Liubavas

Etwa 25 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt im Tal der Žalesa Liubavas, einer der ältesten und romantischsten Gutshöfe Litauens. Das Gut, das sich im Besitz vieler litauischer Großfürsten und Adeliger befand, ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Der Name leitet sich vermutlich von den preußischen Wörtern „liubas“ oder „šliubas“ ab, die auf Litauisch „Liebe“ und „Heirat“ bedeuten.

Seine eigentliche Blütezeit verdankt der Sitz der Familie Slizieniai, die sich dort im 19. Jahrhundert niederließ. Damals galt die aus Stein und Ziegeln erbaute Wassermühle als eine der originellsten in Litauen. Die zum Getreidemühle wurde von ausländischen Meistern entworfen und mit Mahlvorrichtungen aus Schweden ausgestattet. Heute sind alle Mechanismen restauriert und werden Besuchern vorgeführt.

Außer der Mühle gibt es auf Gut Liubavas das Museum in der ehemaligen Offizin sowie die Orangerie zu besichtigen. Rapolas Jonas Siliezis liebte Blumen, deren es sowohl in der Orangerie als auch in den Blumenbeeten um das Herrenhaus reichlich gibt.

Die Liebesgeschichte von Gut Šešuolėliai

Auch wenn es keinen so romantischen Namen wie Liubavas hat, ist Gut Šešuolėliai doch eng mit der Liebe verknüpft. Den Landsitz im Bezirk Širvintos hatte im Jahr 1900 Petras Povilas Končia erworben, der hier ein Herrenhaus im englischen Landhausstil mit französischem Garten errichten ließ.

Während der neue Besitzer sich um die Gutsbelange kümmerte, verbrachte seine Frau Helena Končienė viel Zeit mit dem wesentlich jüngeren Oberst Jonas Variakojas. Die vielen gemeinsamen Spaziergänge im Park blieben nicht unbemerkt, und der gehörnte Petras Povilas Končius reiste schließlich ab nach Paris. Vorher übereignete er das Gut seinem Nebenbuhler, der Helena Končienė daraufhin ehelichte.

Der neue Besitzer verwaltete Gut Šešuolėliai vorbildlich. Besonders ertragreich waren die Schnapsbrennerei und der Handel mit Mastkälbern. Das vornehme Anwesen wurde damals gern von Vertretern besserer Kreise besucht. Präsident Antanas Smetona hatte im ersten Stock sogar sein bevorzugtes Gästezimmer mit Blick auf den Park.

1998 erwachte Gut Šešuolėliai zu neuem Leben, als es der Amerikaner litauischer Herkunft Raimundas Petrauskas erwarb. Das Herrenhaus, der gepflegte Park und die Teiche können als Musterbeispiele für gelungene Restauration gelten. Hier finden heute Konzerte und private Feiern statt.

Ein reiches kulturelles Angebot auf Gut Alanta

Nicht weit von Vilnius entfernt gibt es ein weiteres Anwesen zu erkunden – Gut Alanta. Das Städtchen Alanta im Bezirk Molėtai wurde 1436 erstmals urkundlich erwähnt. Das Gutsgelände gehörte 200 Jahre lang den Radziwiłł, bis es 1853 der polnischen Gutsbesitzer Tadeusz Pac-Pomarnacki erstand.

Letzterer ließ eine vornehme Sommerresidenz im Stil einer italienischen Villa erbauen. Auf dem vierstöckigen Aussichtsturm linker Hand wurde bei Ankunft des Besitzers eine Fahne mit dessen Familienwappen gehisst.

Pac-Pomarnacki galt als grausamer Gutsherr: seine Leibeigenen mussten auch an Feiertagen arbeiten und unmenschlich hohe Abgaben zahlen, von Züchtigungen blieben selbst schwangere Frauen nicht verschont. So erbarmungslos er um Umgang mit seinen Insten war, so kultiviert zeigte er sich, wenn er über Kunst parlierte. Der viel reisende Pac-Pomarnacki legte sich im Laufe der Jahre eine beeindruckende Kunstsammlung an.

Heute schätzt man Gut Alanta ob seiner kunstfreundlichen Atmosphäre. Kunstliebhaber können die Kunstgalerie Vaidotas Žukas, Freilichtmalereien und Bildungsprogramme besuchen. Wer sich für die Kultur des litauischen Adels interessiert, wird im Museum oder bei einem Spaziergang durch den wunderschönen Schlosspark auf seine Kosten kommen, wo auch heute Tänze des Adels dargeboten werden.

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